Ein neues Kapitel in der digitalen Werbung?

Liebe Kunden, liebe Freunde,

„work first“: Klar, das ist Alltag bei uns. Da muss ich wegen einem wichtigen Kundenmeeting auch schon mal den Urlaub verschieben. Zum Ausgleich reise ich dann wenigstens mit dem Kopf in ferne Länder, gerne von geo.de aus.

Und dann das: Wo ich mir zum Relaxen Reportagen ansehen möchte, drängen sich auf einmal Gedanken zum Daily Business auf. Denn geo.de stellt neuerdings, genauer seit Oktober, User vor die Wahl: Werbeblocker, sprich Adblocker deaktivieren oder gegen Zahlung die Site werbefrei nutzen. Ein Einzelfall? Dann wäre ich unbesorgt. Aber bild.de und faz.net haben zum gleichen Mittel gegriffen. Und weitere Branchenriesen werden wohl nachziehen.

Zunächst einmal: Internetpublizistik muss sich für die Macher bezahlt machen, keine Frage. Anspruchsvoller Content umsonst: das ist kein aussichtreiches Geschäftsmodell. Werbefinanzierte Websites dagegen schon – bis jetzt. Aber schon für 2013 wurde der durch Adblocker verursachte wirtschaftliche Schaden auf 750 Mio. geschätzt. Und immer mehr User verwenden Adblocker. Zumal sich die Möglichkeiten, Adblocker einzusetzen, zunehmend auch im Mobile-Bereich breitmachen.

Was also sollte sich tun, damit Kunden online ausreichend präsent bleiben?
Der juristische Hebel hat sich wohl erstmal erledigt. Weder die Zeit und das Handelsblatt noch RTL und Pro Sieben konnten sich mit ihren Klagen gegen Eyeo, den marktdominierenden Entwickler von Adblock Plus, durchsetzen. Verbleiben als Handlungsoptionen die technischen und kreativen Aspekte der Digital-Werbung zu optimieren. Damit der User Skycraper & Co weniger genervt, besser noch: wohlwollender gegenübertritt. Und daher auf den Einsatz von Adblockern verzichtet.

Hier in geraffter Form einige Vorschläge:
Manche scheinen vergessen zu haben, dass wohl so gut wie niemand Sites besucht, um sich primär Werbung anzuschauen. Bestimmte Formate aber nehmen dem User die Freiheit, sich gleich dem Content zu widmen und Werbung als unaufdringliche Einladung zu Unterhaltung oder Information zu verstehen. Hierzu zählen auf jeden Fall Layer-Ads, legen sie sich doch einfach über Inhalte und müssen weggeklickt werden. Nicht besser steht es um Unterbrecherwerbung. Hierbei werde ich als User mit dem Phänomen „beglückt“, dass Werbung vor bzw. zwischen einzelnen Seiten geschaltet ist. Den Content lesen kann ich in der Hardcore-Version erst nach einer gewissen, nicht von mir beinflussbaren Zeit oder in der milderen Variante nach einem Klick. Mindestens ebenso störend ist das ungefragte, d.h. ohne einen Klick auf die Werbung erfolgende Abspielen von Ton.

Ein Verzicht auf diese drei Störer wäre ein erster Schritt. Vor allem, weil Sie wohl keinem, auch keinem Werber und Auftraggeber wirklich fehlen werden. Vorausgesetzt, man ist bereit, Penetranz und Aufdringlichkeit durch Kreation zu ersetzen. Werbung, die überrascht, unterhält und informiert.

Mit einem Wort: relevant ist und mir einen Mehrwert bietet. Dagegen spricht erstmal, dass gerade in der digitalen Werbung, die Kluft zwischen gut und schlecht gemacht sehr ausgeprägt ist. Für die Überlegungen spricht hingegen, dass wir es selbst in der Hand haben, es besser zu machen. Gemeinsam mit unseren Kunden.

Bis bald, Ihr Sven Orthey

 

Sven Orthey

abc EUROPE GmbH, Robert-Bosch-Straße 3a, 56410 Montabaur