Der Weg zum passenden Bild

Am Anfang war das Wort – so steht es im Weltbestseller, der Bibel. Und das gilt in abgewandelter Form auch für die werbliche Kommunikation. Erst kommt die Idee, der Gedanke, dann macht man sich auf die Suche nach der passenden Visualisierung. Und damit begibt man sich oft auf stark vermintes Rechtsgelände (Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht etc.). Um keine Abmahnung und keine Forderung nach Schadensersatz zu kassieren, hilft es, sich an ein paar einfache Regeln zu halten. 

Eins vorweg: Hier schreibt kein Jurist. Hier schreibt ein Werber. Daher ist mein kleiner Exkurs auch kein Ersatz für eine juristische Beratung. Dafür zahlen Sie für jede hier gelesene  Zeile auch nichts. Und erfahren dennoch einiges über den Zusammenhang zwischen Recht und Bild. 
 

Selber shooten – ohne Risiko?
Viele wollen sich nicht mit den Kosten für Bildagenturen oder Fotografen rumschlagen. Die vermeintliche Lösung:  zum eigenen Smartphone greifen. Rein technisch gesehen möglich. Mit vielen Kameras lassen sich durchaus druckfähige Fotos produzieren. So weit, so gut. Aber gilt auch: kein Fallstrick weit und breit? Personen abzulichten kann schwierig sein. Es greift das Persönlichkeitsrecht. Daher sollte man sich die Zustimmung der fotografierten Person einholen. Und bei einer Menschenmenge, wie soll das da laufen? Keine Sorge, die Zustimmung ist nur zwingend, wenn Personen klar als Individuen erkennbar sind. 
Knipsen wie man will, geht auch in Sachen Architektur nicht immer. Wird ein Gebäude ins Visier genommen und dies nicht von einer öffentlichen Straße aus, bestimmt der jeweilige Besitzer bzw. Hausherr, ob man überhaupt und wie oft man auf den Auslöser drücken darf. Einschränkungen gibt es darüber hinaus u.a. bei der Ablichtung von Innenräumen, Kunstwerken, Designobjekten und Markenprodukten. Bleibt noch die Frage, was geschieht, wenn meine Fotografie einer anderen Fotografie gleicht oder sehr ähnelt, also vielleicht ein Plagiatsverdacht im Raum steht. Kommt darauf an. Handelt es sich um eine generische Darstellung oder eher eine individuell-künstlerische? Erstere wird wohl problemlos sein, zweitere wohl zu einem Streitfall führen.  

Bildagenturen  als Alternative
Wer eigene Fotokünste nicht kommerziell nutzen möchte, entscheidet sich meistens für Bildagenturen. In deren Onlinearchive recherchiert er nach geeigneten Motiven. Und hat die Wahl zwischen lizenzpflichtigen und lizenzfreien Bildern. Der Impuls sich hierbei auf lizenzfreie Fotos zu konzentrieren, ist natürlich verlockend: Einmal zahlen und schon kann man in der Regel das ausgewählte Bild unbegrenzt nutzen. Kurz, man kommt günstiger als bei lizenzpflichtigen Fotos weg, bei denen Kosten für Umfang und Dauer der Nutzung anfallen. Lizenzpflichtige Bilder haben dafür aber auch mehr zu bieten. Unter anderem eine ausdrucksstärkere und individuellere Qualität der Fotos, teils verbunden mit exklusiven, die Konkurrenz von der Nutzung ausschließenden Rechten. Letzteren Punkt sollte man nicht unterschätzen. Visuelle Doubletten untergraben die eigene Einzigartigkeit, besonders natürlich wenn sie bei direkten Mitbewerbern auftauchen. Ein reales Beispiel aus jüngster Vergangenheit: Zwei politische Parteien mit deutlich konträrem Programm verwendeten für einen Teil eines Spots das gleiche, frei zugängliche Material. Darüber hinaus stellte sich heraus, dass eine Firma ebenfalls dieses Material für ihre Quark-Werbung einsetzte. 
 

Auf Fotografen setzen 
Nicht ultima ratio, sondern eine weitere Option ist der Einsatz eines professionellen Fotografen. Das macht es möglich, wirklich sehr individuelle, nach eigenen Vorstellungen gefertigte Bilder von hoher Qualität zu nutzen. Dabei darauf achten, dass die Fotos auch individuell bleiben. Dazu lassen Sie sich von dem beauftragten Fotografen ein alleiniges Nutzungsrecht an den Fotos einräumen und zwar für alle Verwendungsarten. Verzichten Sie darauf, kann es durchaus passieren, dass Sie die Fotos für Ihre Website plötzlich auf einer Broschüre wieder finden, die nicht von Ihnen stammt. Und das wäre mehr als schade. Schließlich haben die Fotos nur  einen Zweck – für Ihr Unternehmen werben, nicht für andere. 

 

Sven Orthey

abc EUROPE GmbH, Robert-Bosch-Straße 3a, 56410 Montabaur